Das Wissen der Schamanen
Noch in der heutigen Zeit gibt es in vielen alten Kulturen, die nicht von der westlichen Zivilisation ausgelöscht wurden, in dörflichen Lebensgemeinschaften den Schamanen. Ein Individuum, das sensibel für die "andere Seite" unseres Wesens ist. Eine Persönlichkeit, die Talente zeigt, wie wir sie ursprünglich alle wesentlich ausgeprägter hatten. Präkognition, Telepathie, starke Intuition. Sie hat vor größeren Katastrophen gewarnt, bestimmte Ereignisse voraussagen können (Jagdglück etc.) und somit das Überleben der Gruppe gesichert. Luzides Träumen (Klarträumen) und die fachgerechte Traumdeutung gehörte zu den Fähigkeiten des Schamanen, wie das Heilen. Allerdings konnte er ebenso Feinde mit Flüchen belegen, wenn es erforderlich war. Bezeichnend ist, dass ein starker Schamane es fertig brachte, innerhalb seiner Gruppe ein ebenso starkes kollektives Bewusstsein zu schaffen. Alle die hier eingebunden waren, konnten direkt von dem positiven Netzwerk profitieren - bis hin zur telephatischen Verständigung.
In unserer Kultur wird oft überliefertes Wissen in dieser Richtung als "Aberglauben" abgestempelt. Menschen, die Vorahnungen haben, unterdrücken diese und haben Schuldgefühle, weil sie Angst haben, ihren Verstand zu verlieren. Tatsache ist, dass der Verstand (das Ratio = unser Alltagsbewusstsein) eher hinderlich ist, wenn es um die Kommunikation mit unserem Unterbewusstsein geht. Ein Schamane beherrscht Techniken, mit denen er sein Bewusstsein langsam darauf einstimmt, loszulassen, sich zu öffnen - und die inneren Stimme zu ermutigen. Sie suchen bewusst nach Visionen, nehmen diese ernst und analysieren sie dann mit ihrem Alltagsbewusstsein, um die Erfahrungen ihres Geistes in ihrem Alltagsleben einzusetzen.
Natürlich setzt das Wissen auch voraus, das der Schamane bewusst Verantwortung übernimmt. Auf ihn verläßt man sich, seinen Rat befolgt man. Ob die Heilung von Kranken, der Kinderwunsch - oder auch genügend Nahrung, Sonne oder Regen... in seiner Hand liegt das Wohl der Menschen, mit denen er in einer Gemeinschaft lebt. Das ist eine schwere Bürde und zugleich auch ein wunderbares Geschenk, denn der Schamane bezieht seine Energie aus der Zuneigung und Achtung seiner Gruppe. Dafür stellt er sein Leben ganz in den Dienst für ihr Wohl. Eine Haltung, die uns auch in westlichen Kulturen (zb. Religion) nicht unbekannt ist - es gibt Orden, die sich in den Dienst am Menschen stellen, Hospizarbeit leisten u. ä.
Das Wissen des Schamanen kann für ihn ebenso Fluch wie Segen sein - er wird vielleicht die Katastrophe kommen fühlen, sie aber nicht verhindern können. Er wird nicht immer heilen können, sondern auch dem Tod ins Auge sehen müssen - und dabei immer stark und ausgeglichen sein, unbeirrbar darauf vertrauen, was seine innere Stimme ihm sagt. Und noch etwas lernt ein Schamane schnell: nicht alles was wir uns wünschen, ist auch das Richtige für uns.
In jedem von uns steckt genügend Neugier, um den Weg eines Schamanen zu beschreiten.
In einigen von uns steckt genügend Demut und Selbstironie, um auf dem Weg zu bleiben.
In wenigen steckt der Mut, nicht abzuweichen, wenn wir die bequeme Straße der Unwissenheit wählen können.
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